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		<title>Frühstück im Fernsehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Holger Reichard]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jan 2025 13:31:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner">Februar 2016: Die Woche begann erfrischend – mit einem Anruf aus Berlin. Man möge aufgrund einer aktuellen Studie aus Bayern doch bitte ins SAT1 Frühstücksfernsehen kommen, um über die Vor- und Nachteile des Stadt- und Landlebens zu diskutieren. Die Studie besagt, dass es für gut ein Viertel der bayerischen Landbevölkerung keine Nahversorgung mit Arzt, Apotheker, Supermarkt oder Schule in einem Umkreis von einem Kilometer gibt. Dennoch ziehe es viele Stadtbewohner aufs Land, um der Hektik der Großstadt zu entfliehen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dass die Flucht von der Stadt aufs Land größer ist als umgekehrt, wage ich zu bezweifeln. Erst ein Jahr zuvor berichtete der SPIEGEL in einer großen Serie von der zunehmenden Verödung vieler Dörfer. Andererseits vernehme ich gerade in meiner Region einen starken Expansionsdrang der Städte. Dieser könnte in nicht allzu ferner Zukunft dazu führen, dass viele Dörfer, darunter auch das Dorf, in dem ich wohne, Teil eines urbanen Konglomerats werden.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schon allein deshalb ist die Frage, wo es sich nun besser leben lässt, auf dem Land oder in der Stadt, nicht einfach zu beantworten. Dorf ist nicht gleich Dorf, und Stadt ist nicht gleich Stadt, und ganz egal, für welches Leben man sich entscheidet: Beides hat seine Vor- und Nachteile. Wenn man auf dem Lande im Sommer den Grill auf die Terrasse schiebt, kommen nicht nur die Marienkäfer und Glühwürmchen aus ihren Verstecken geflogen, sondern auch die Wespen, Mücken und grünlich schimmernden Scheißhausfliegen. Auf der anderen Seite kann die Anonymität einer Großstadt sowohl Segen als auch Fluch sein.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hinzu kommt die Verschiedenheit der Menschen. Wir alle haben unterschiedliche Vorlieben, Bedürfnisse und Lebensumstände. Jeder hat seine eigene Herkunft, seine eigene Lebensgeschichte und ist unterschiedlich stark von ihr geprägt. Außerdem durchlaufen wir verschiedene Lebensphasen, von der Pubertät, in der die Welt für uns oft nicht groß genug sein kann, bis hin zum Rentenalter, wenn wir uns, ob wir es wollen oder nicht, verstärkt mit Begriffen wie Mobilität oder auch Einsamkeit auseinandersetzen müssen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kurz: Was dem einen zu einer bestimmten Zeit gut bekommt, kann für den anderen in einer instabilen Lebensphase fatale Folgen haben. Daher muss jeder seine eigenen Wünsche, Probleme, Ziele und Möglichkeiten in Augenschein nehmen, seine Biographie gründlich durchleuchten, um herauszufinden, wo er sich besser aufgehoben fühlt, auf dem Lande oder in der Stadt.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich selbst bevorzuge als Ausgangspunkt bewusst die Ruhe des Landlebens, brauche aber eben auch die Stadt mit ihren vielfältigen kulturellen Angeboten. Beides muss für mich relativ schnell verfügbar sein. Deshalb wohne ich auf einem Dorf – unweit der Stadt. Ich brauche nur wenige Minuten, um die Vorzüge urbanen Lebens genießen zu können, kann mich aber jederzeit in mein grünes Refugium zurückziehen. Dieses duale System ist natürlich auch umgekehrt möglich, allerdings nicht ganz so einfach und preiswert zu organisieren.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Unser spontaner Ausflug nach Berlin hat mich in dieser Sichtweise einmal mehr bestätigt. Am Vorabend unseres TV-Auftritts saßen mein Autorenkollege Karsten Weyershausen und ich mit unserer Lektorin in einem interessanten vietnamesischen Restaurant mit ausschließlich vegetarischen Spezialitäten. Nach etwas Vergleichbarem wird man in Braunschweig, immerhin 250.000 Einwohner, lange und wahrscheinlich ergebnislos suchen. Spektakulär war das Hotel, das man für uns gebucht hatte. Extravagant. Stilvoll beleuchtet und eingerichtet. Direkt an der Spree. Sehr schön, keine Frage. Andererseits ging mir der Trubel auf den Wegen vom Ostbahnhof zum Hotel (zwischen den Fans der Eisbären Berlin) und später quer durch Friedrichshain gehörig auf den Keks. Ein paar Abende kann ich das gut ertragen, rund um die Uhr nicht. Aber wie gesagt: Ich kann hier nur für mich sprechen, nicht für alle, und ich will auch nicht ausschließen, dass sich meine Lebensumstände eines Tages grundlegend ändern und es mich wieder dauerhaft in die Stadt zieht.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Unser Auftritt im SAT1 Frühstücksfernsehen war an eine Umfrage gekoppelt, bei der die Zuschauer während der Sendung zwischen Stadt- und Landleben entscheiden sollten. Von uns Autoren wurde gewünscht, dass wir uns als Entscheidungshilfe eine <em>Battle</em> liefern, also klar Position für oder gegen das Land bzw. die Stadt beziehen sollen. Diesem Wunsch haben wir uns am Ende, so gut wir konnten, gebeugt, weil wir das Konzept der netten Redaktion nicht über den Haufen werfen wollten und das Format sowie die wenigen Minuten Redezeit ohnehin wenig Raum für tiefgehende Analysen ließen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Richtig ist ein solches Schwarz-Weiß-Denken natürlich nicht. Und so überrascht es auch kaum, dass sich hinterher einige Zuschauer auf der Facebookseite von SAT1 über unsere jeweils eindimensionale Sichtweise beschwerten. Ich mag Motzhupen vor der Glotze nicht, wenngleich ich selbst lange Zeit eine war. In diesem Fall aber war die Kritik berechtigt. Möglicherweise war unsere <em>Battle</em> wohl auch deshalb nicht so überzeugend, weil wir uns mit dem gewünschten Rollenspiel schwertaten. In unserem Buch <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783862654468?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">»Stadt. Land. Flucht. Kuhmist oder Kohlenmonoxyd«</a> gehen wir das Thema jedenfalls wesentlich differenzierter an, wie unter anderem eine <a href="https://rp-online.de/leben/wohnen/leben-in-der-stadt-und-auf-dem-land_aid-21508891" target="_blank">schöne und treffende Besprechung auf dem Lifestyle-Portal der Rheinischen Post</a> belegt.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sei’s drum. Es war ein netter Ausflug nach Berlin, eine nette Erfahrung, es hat Spaß gemacht, und als das Ergebnis der TV-Abstimmung ein letztes Mal eingeblendet wurde, hatte sich das Land mit 60 zu 40 gegen die Stadt durchgesetzt, also ein knapper Sieg für Reichard gegen Weyershausen. Ich kann nicht ganz unzufrieden sein.</div>
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		<title>Pfeile der Zeit</title>
		<link>https://www.wortmax.net/pfeile-der-zeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Reichard]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jul 2024 10:23:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Aldous Huxley]]></category>
		<category><![CDATA[Älterwerden]]></category>
		<category><![CDATA[Douglas Adams]]></category>
		<category><![CDATA[F. Scott Fitzgerald]]></category>
		<category><![CDATA[Filencio Salmón]]></category>
		<category><![CDATA[H.G. Wells]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Amis]]></category>
		<category><![CDATA[T.C. Boyle]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner">Es gab in Braunschweig einst eine kleine beschauliche Lesebühne namens »Bumsdorfer Auslese«, wo ich zusammen mit sechs anderen Autorinnen und Autoren alle zwei bis vier Monate meine neuesten Texte vortrug. Als ich dort eine Geschichte zum Besten gab, in der ich beiläufig mein Alter erwähnte, fühlte sich eine Autorenkollegin zu einem lauten Zwischenruf genötigt: »Ist das wahr, Holger? Bist du echt schon so alt?«<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Es war einer dieser sonderbaren Momente, von denen man nicht weiß, ob man sich über sie freuen kann oder nicht. Warum überraschte sie mein Alter? Warum musste sie meinen bis dato mühsam gesammelten 46 Lenzen mit ihrem Zwischenruf mehr Gewicht geben, als mir lieb war? Hatte ich mir etwa ein jugendliches Aussehen bewahrt, ein frisches Outfit, das mich jünger erscheinen ließ als ich war? Oder fand es die ca. 15 Jahre jüngere Kollegin befremdlich, mit einem Oldtimer auf der Bühne stehen zu müssen?<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einen Vorwurf würde ich daraus natürlich nicht formulieren wollen. Im Gegenteil. Wenn ich auf Geburtstagsfeiern von Frauen älteren Semesters eingeladen bin, wünsche ich den Gastgeberinnen &#8211; mehr Ironiker als Charmeur &#8211; alles Gute zu ihrem »24. Geburtstag«, wohl wissend, dass sie mindestens schon doppelt so alt sind. Die Beglückwünschten fühlen sich danach nur selten geschmeichelt und antworten mit Sätzen wie: »Oh, so etwas höre ich gern aus dem Mund eines 19jährigen.« Oder: »Danke schön! Meine Tochter hat aber erst nächsten Monat Geburtstag.«<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Es ist schon bemerkenswert, welche Ausstrahlung so eine Zahl haben kann. Zwar beteuern ältere Menschen gern und oft, dass eine Zahl nur eine Zahl sei und diese nichts zu sagen habe, doch die Einladungs- und Glückwunschkarten, die man absondert bzw. erhält, wenn man einen runden Geburtstag feiert, sprechen eine andere Sprache, vornehmlich die berühmter Schriftsteller: »40 sind das Alter der Jugend, 50 die Jugend des Alters.« Mit freundlichen Grüßen, Ihr Victor Hugo. Solche Weisheiten schmeißt man dem reifen Jubilar gern um die Ohren, und auch hier rätselt man als Empfänger, ob man sich darüber freuen kann oder nicht.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eine Ausnahme mag der 42. Geburtstag sein, weil man dann in Anlehnung an einen berühmten Roman von Douglas Adams, <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783036959542.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><em>Per Anhalter durch die Galaxis</em></a>, behaupten kann, man sei nun die Antwort auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Haben alle, die das Buch kennen, über diesen schlappen Witz gelacht, ist man auch schon 43, und dann sieht man nur noch die 50, wie sie in der dunklen Ecke auf einen lauert und einen bedroht, diese Eintrittskarte ins Seniorenalter. Oh ja, die 50, diese Zahl steht für eine Grenzüberschreitung, für ein Schild mit der Aufschrift <em>No Way Ahead</em>, wobei man natürlich weiß, dass es hinter dem Schild noch weitergeht, allerdings nicht mehr so komfortabel wie bisher, sondern recht holprig, und wer weiß, wie lange noch &#8230;<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dass die 50 ein signifikantes Alter sind, verdeutlicht eine Kurzgeschichte des amerikanischen Schriftstellers T.C. Boyle. Seine Story <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783446201262.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><em>Abwärts</em></a> (Orig.: <em>Going Down</em>) erzählt von einem Mann, der kurz nach seinem 50. Geburtstag im Zimmer seines Sohnes herumstöbert und dort einen Science-Fiction-Roman entdeckt. Der Titel des Romans lautet <em>Fünfzig abwärts</em>, <em>Cincuenta y retrocediendo</em>, verfasst von einem gewissen Filencio Salmón, laut Boyles Kurzgeschichte der bedeutendste Schriftsteller Puerto Ricos auf dem Gebiet der spekulativen Fiktion, tatsächlich aber ist auch der Autor nichts weiter als eine Fiktion. <em>Fünfzig abwärts</em>, also die Geschichte in der Geschichte, handelt von einer Lebensform, in der ein Alter von 50 Jahren den Gipfelpunkt des Daseins bestimmt. Hat man dieses Alter erreicht, geht es wieder abwärts, zurück in die Jugend, danach ins Kindesalter, man wird schließlich wieder ein Baby und verschwindet im Nichts.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auf den ersten Blick eine schöne Vorstellung. Warum kann das nicht auch bei uns so sein, fragt man sich. Die Wechseljahre wären dann keine Trendwende zum Schlechten, hin zu körperlichem Zerfall und eingeschränkter Lebensqualität, sondern der absolute Höhepunkt einer menschlichen Existenz, oder auch ein magisches Plateau, wie Boyle es Filencio Salmón beschreiben lässt. Man wüsste, wie eine Jugend sich anfühlt und dürfte sie ein zweites Mal durchleben. Wäre das nicht wunderbar?<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nein, das wäre es nicht. Eine solche Zählweise unseres Lebensalters hätte nämlich ihre Tücken. So gibt es in Boyles Geschichte ein Pärchen, bei dem er zum ersten Mal einunddreißig ist und sie zum zweiten Mal neunundvierzig. Zunächst läuft alles prima. Sie erleben eine gute Zeit – bis sie eines Tages wieder zwölf Jahre alt ist und sich ihr Busen zurückbildet. Der Mann, der nun zum zweiten Mal zweiunddreißig ist, fühlt sich daraufhin wie ein Kinderschänder. Zuvor war er bereits Vater seiner sich verjüngenden Eltern geworden. Beides wünscht man sich nicht wirklich.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dass das Leben nicht besser verläuft, wenn man den Alterungsprozess auf den Kopf stellt, zeigt auch eine Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald: <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783423095273.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><em>Der seltsame Fall des Benjamin Button</em></a> (Orig. <em>The Curious Case of Benjamin Button</em>). Bekannt wurde sie durch die Verfilmung mit Brad Pitt und Cate Blanchett in den Hauptrollen. Sie handelt von einem Menschen, der als alter Mann im Körper eines Babys geboren wird und sich im Laufe seines Lebens zu einem Baby im Körper eines alten Mannes entwickelt; eine Geschichte mit unerfreulichem Anfang und wenig erbaulichem Ende: als Baby ein Freak, als alter Mann ein schlimmer Pflegefall, Normalität und Liebesglück nur in den mittleren Jahren. So funktioniert das also auch nicht.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nehmen wir einen dritten literarischen Anlauf, mit dem Roman <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783423132091.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><em>Pfeil der Zeit</em></a> (Orig. <em>Time‘s Arrow</em>) des englischen Schriftstellers Martin Amis. Sein Buch erzählt die Lebensgeschichte des amerikanischen Arztes Todd Friendly, aber nicht von vorn, sondern von hinten. Ein Rückblick also? Nein, auch das nicht. Amis drückt auf »Rewind«, er lässt das gesamte Leben rückwärts laufen, also nicht nur das seines Protagonisten. Junge Menschen werden zu Kindern, Kinder werden zu Babys, und die Babys schlüpfen eines Tages in die Körper junger Frauen. Dialoge beginnen mit ihrem Schluss und enden mit ihrem Anfang. Der Mülleimer wird zu einer Wundertüte, das Klo zu einem Ort, den man erleichtert aufsucht und mit drückendem Schmerz im Unterleib verlässt. US-Präsident John F. Kennedy wird einfach in die begeistert jubelnde Menge von Dallas gesetzt und schreitet danach zu großen Taten. Das Moderne verschwindet, dafür kommt über den Großstädten nach und nach der Sternenhimmel wieder zum Vorschein. Klingt – bis auf die Stelle mit dem Klo – erst einmal gar nicht so schlecht.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Doch so schön die von Amis verdrehte Welt zuweilen scheint, in seinem Buch <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783423132091.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><em>Pfeil der Zeit</em></a> geht der Schuss gewaltig nach hinten los. Denn Todd Friendly, seine Hauptfigur, entpuppt sich als ein deutscher KZ-Arzt, der nach dem Untergang des Hitlerreiches mit falschem Namen in die USA flüchten konnte. Rückwärts erzählt wird er sich seiner grauenhaften Taten in keiner Weise bewusst und Auschwitz zu einem Ort, an dem Kinder, Frauen und alte Menschen hergestellt werden – aus Feuer und Gas.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;An dieser Stelle möchte ich einen Punkt setzen. Denn ich merke, je mehr ich mich in solche Gedankenspiele ums Älter- oder Jüngerwerden verrenne, umso fataler das Ende. Realistisch sind sie ohnehin nicht. Eher würde es der Menschheit gelingen, eine Zeitmaschine zu erfinden, die es einem ermöglichte, in eine ferne Zukunft zu entfliehen, in der es das Problem des Älterwerdens nicht mehr gibt. Doch auch hier zeichnen die Schriftsteller ein düsteres Bild. Wie zum Beispiel Aldous Huxley in seinem Roman <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783596905737.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><em>Schöne neue Welt</em></a> (Orig. <em>Brave New World</em>), in dem die Menschen bis zu ihrem Lebensende zwar stets gesund und leistungsfähig bleiben und dann relativ schnell und schmerzlos von der Bühne verschwinden, jedoch nur, weil ihnen eine Überdosis der Droge Soma verabreicht wird, bevor sie sich Krückstock schwingend über die »Jugend von heute« mokieren können.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Noch gruseliger ist das Szenario, das H.G. Wells in seinem 1895 veröffentlichten Roman <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783150207444.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><em>Die Zeitmaschine</em></a> (Orig. <em>The Time Machine</em>) entworfen hat. Er lässt seine namenlose Hauptfigur vom viktorianischen England aus in das Jahr 802.701 reisen, in dem ein Völkchen namens Eloi die Erde bewohnt: scheinbar sorgenfreie Wesen, dem heutigen Menschen sehr ähnlich. Jedoch: Keiner von ihnen muss mehr arbeiten, und keiner von ihnen scheint sehr alt zu sein. Wie ist das nur möglich?, fragt der Zeitreisende sich und entdeckt, dass es neben den Eloi noch die sogenannten Morlocks gibt, hässliche, affenartige Kreaturen, die unter Tage leben und sich die Eloi halten wie der Bauer das Vieh. Kurzum: Man landet auf einem Grill, bevor man in dieser Welt alt wird. Menschlicher wird es erst, als die Hauptfigur von Mr. Wells noch weiter in die Zukunft reist, weil es dann keine Menschen mehr gibt.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Große Literaten, phantasiereiche Science-Fiction-Autoren. Oft sind sie der Zeit weit voraus, nehmen in ihren Erzählungen wichtige Erfindungen und gesellschaftliche Entwicklungen vorweg. Was das Älterwerden betrifft, bieten sie uns jedoch keine brauchbare Lösung. Finden wir uns also damit ab: Wir werden älter und älter und müssen das akzeptieren. Ein bisschen Trost spendet uns vielleicht der eingangs erwähnte US-Schriftsteller T.C. Boyle. Sein 2000 verfasster Zukunftsroman <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783423130530.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><em>Ein Freund der Erde</em></a> spielt im Jahre 2025, also im kommenden Jahr, in einer Zeit, in der man, so Boyle, dank den Fortschritten in der Medizin mit 75 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört, sondern zu den sogenannten Jungalten, die ohne Viagra Supra oder Penisimplantate noch jede Menge Spaß haben können. Doch so vital die Menschen in dem Boyle-Roman sind, so kaputt ist die Welt um sie herum. Der Treibhauseffekt hat die Erde in einen unwirtlichen Platz verwandelt, wo ein Unwetter dem nächsten folgt. Im Loiretal wird nicht mehr Wein angebaut, sondern Reis. Die meisten Säugetiere sind ausgestorben. In grauen, feuchten Hochhäusercañons leben unzählige Hautkrebspatienten, die über Tiere bzw. über die Natur und die Welt, wie sie früher war, nicht mehr wissen, als ihre Computer sie wissen lassen. Insgesamt bevölkern elfeinhalb Milliarden Menschen die Erde. Sie streiten sich um ein Essen, das auch nicht mehr ist, was es mal war.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wenn sich die Welt wirklich so entwickeln sollte, ob nun im Jahr 2025 oder erst 2040, kann man nur darauf hoffen, früh genug zu sterben.</div>
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				<div class="et_pb_text_inner">Der leicht modifizierte Text erschien in seiner ursprünglichen Fassung in <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783847511403.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><em>Kerle im Klimakterium</em></a> von Holger Reichard und Karsten Weyershausen (Schwarzkopf &#038; Schwarzkopf, Berlin 2012).</div>
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		<title>Sei kein Ötzi</title>
		<link>https://www.wortmax.net/sei-kein-oetzi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Reichard]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jul 2024 14:07:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[History]]></category>
		<category><![CDATA[Feuersteinpfeil]]></category>
		<category><![CDATA[Mumie]]></category>
		<category><![CDATA[Niederjochferner]]></category>
		<category><![CDATA[Ötzi]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner">Im September 1991 wurde in den Ötztaler Alpen oberhalb des Niederjochferner in 3.210 Metern Höhe eine mumifizierte Leiche entdeckt. Wir alle kennen sie unter dem Namen Ötzi. (Die Jüngeren vielleicht auch unter dem Namen Jürgen Vogel.) Die Medien haben in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder darüber berichtet. Denn Ötzi ist eine echte Sensation: die einzige erhaltene und auf natürlichem Wege konservierte Leiche aus der Zeit um 3.400 v. Chr. in Mitteleuropa.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wenn ich im Fernsehen sehe, wie Ötzi bzw. seine verschrumpelten Überreste aus dem Kühlraum geholt und behutsam auf den Seziertisch gelegt werden, komme ich immer ins Grübeln. Ich frage mich, was Ötzi wohl denken und fühlen würde, wenn er sich heute so sehen könnte, wie die Welt ihn untersucht, sein Leben und seinen Tod erforscht, darüber rätselt und spekuliert. Und ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn meine Leiche nicht zu Staub zerfallen oder in einer Rauchwolke aufgehen würde, sondern sie zum Beispiel aufgrund einer unerwartet hereinbrechenden Eiszeit oder in Folge eines unachtsamen Spaziergangs durch eine Moorlandschaft erhalten bliebe und ein paar ahnungslose Spaziergänger sie in etwa 5.000 Jahren mumifiziert wiederentdeckten. Wäre es mir Recht, wenn die Wissenschaftler mich dann für alle Welt auf den Präsentierteller legten? Ich bin mir nicht sicher.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Keine Einwände hätte ich wohl, wenn man mich in einem schicken Anzug entdecken würde, mit einem warmherzigen Lächeln im Gesicht sowie irgendetwas Bedeutsames in der Hand haltend, etwas, das der Menschheit in 5.000 Jahren vielleicht weiterhilft. Weniger erfreut wäre ich wohl, wenn man mich wie Ötzi in Gestalt einer getrockneten Tomate vorfände und nach intensiver Untersuchung meines krustigen Unterleibs der ganzen Welt verkündete, ich hätte zeitlebens viel zu viel Bier getrunken oder aufgrund fehlender oder heftiger Abnutzungserscheinungen im Beckenbereich so und so oft Sex gehabt. Manches möchte man gerne mit in ein für alle Zeiten unentdecktes Grab nehmen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aber wir können es uns nicht aussuchen. Meine Empfehlung lautet deshalb, wenigstens ansatzweise zu versuchen, so zu leben, dass wir auch in 5.000 Jahren noch eine gute Figur abgeben. Dazu gehört, sich möglichst wenig Feinde zu machen. Denn sie sind Ötzi erwiesenermaßen zum Verhängnis geworden. Nach Angaben der Forscherinnen und Forscher war er von einem Feuersteinpfeil in die linke Schulter getroffen worden und daraufhin binnen weniger Minuten innerlich verblutet. Zugegeben, in der heutigen Zeit von einem Feuersteinpfeil getroffen zu werden, ist ziemlich unwahrscheinlich. Aber ist es nicht ebenso tragisch, wenn Archäologen vielleicht in einigen tausend Jahren die Gräber von Hollywood öffnen und dort auf Millionen von unzersetzten Brustimplantaten stoßen?</div>
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				<div class="et_pb_text_inner">Foto: Tourismusverein Schnalstal, abfotografiert bei einem Besuch im September 2016 im <a href="https://www.archeoparc.it/" target="_blank" rel="noopener">archeoParc, Schnalstal</a>, Italien</div>
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		<title>Klassiker der Lokalliteratur</title>
		<link>https://www.wortmax.net/klassiker-der-lokalliteratur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Reichard]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 May 2024 17:20:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[History]]></category>
		<category><![CDATA[Braunschweig]]></category>
		<category><![CDATA[Charly's Tiger]]></category>
		<category><![CDATA[Ollu Kawollu]]></category>
		<category><![CDATA[Speisekarte]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner">Seit über 40 Jahren haue ich in die Tasten. Mal mehr, mal weniger. Angefangen hat alles mit Lyrik und Prosa, etwa Mitte der 1980er Jahre, noch auf einer kleinen Reise-Schreibmaschine von privileg. Die Boomer werden sich erinnern. Es folgten die ersten Veröffentlichungen in Anthologien sowie journalistische Arbeiten für Stadtmagazine und die Braunschweiger Zeitung. Ab Anfang der 1990er Jahre war ich als Werbetexter für Unternehmen und Werbeagenturen unterwegs und befüllte unzählige Werbebriefe, Produkt-Flyer, Broschüren, Kundenmagazine und Plakate mit Buchstaben, später auch Newsletter und Internetseiten. Nebenbei verfasste ich ein ganzes Drehbuch (<em>Die Marx Brothers in Hamburg</em>), ein Kurzhörspiel für den WDR (<em>Schwarz auf Weiß</em>), werkelte an Roman-Ideen über Guiseppe Garibaldi und den Mauerfall herum und unterstützte überforderte Sachbuchautoren. Im Frühjahr 2009 erschien im Berliner Verlag Schwarzkopf &#038; Schwarzkopf dann endlich mein erster Essay-Band und schon bald darauf noch weitere Bände in Zusammenarbeit mit dem verehrten Kollegen Karsten Weyershausen. Über 40 Jahre! Es wäre zwar nicht nützlich, aber schon interessant zu wissen, wieviel Prozent der Erdoberfläche sich mit meinen getippten Buchstaben bedecken ließen, würde man sie in einer Schriftgröße von 72 Punkt nebeneinanderlegen. So viel zur Quantität.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Was die Qualität des Geschriebenen betrifft, wünschte ich, dass viele meiner jüngeren Veröffentlichungen ein größeres Publikum gefunden hätten. Andererseits wäre ich froh, wenn das Internet – anders als viele behaupten – so manches schnell vergessen oder gar nicht erst entdecken würde. Einige Elaborate aus dem Eozän meines Schriftstellerlebens zum Beispiel, erste spätpubertäre Gedichte oder auch die Geschichte von Ollu Kawollu, dem König der Nasen. Beides lässt sich noch heute in der virtuellen Welt aufspüren. Die Gedichte mit relativ wenig Aufwand über Google Books, Ollu Kawollu mit etwas mehr Aufwand über archive.org. Um Euch die lästige Detektivarbeit zu ersparen, präsentiere ich Euch hier die Geschichte von Ollu Kawollu (siehe weiter unten), zweifellos der albernste und sinnbefreiteste Text, den ich je geschrieben habe. Warum bringt man so etwas zu Papier? Diese Frage ist durchaus berechtigt, aber es gibt eine Erklärung.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu Beginn der 1990er Jahre arbeitete ich in einer kleinen Werbeagentur, deren Spezialität es war, lustige Speisekarten für die damals blühende Braunschweiger Erlebnis-Gastronomie zu konzipieren. So auch für Charly’s Tiger in der Wilhelm-Bode-Straße, eine Lokalität, die jedem waschechten Braunschweiger ein Begriff ist, und ganz sicher auch vielen Zugezogenen. Denn es gibt sie inzwischen seit über 30 Jahren. Ich erinnere mich noch gut an die Eröffnungsfeier im Dezember 1990 und daran, wie kurz zuvor in der Agentur unter enormen Zeitdruck an der umfangreichen Speisekarte gebastelt wurde. Wenige Stunden vor Druck-Abgabetermin war immer noch eine Seite mit Inhalt zu füllen. Eine einzige Seite. Nur mit was? Getränke und Speisen waren ausführlich beschrieben, das Grußwort war fertig, alle Illustrationen erstellt, die Zitate komplett. Deshalb wurde ich beauftragt, auch etwas beizusteuern und verfasste unter größter Zeitnot die Geschichte von Ollu Kawollu. Wie gesagt, der albernste und sinnbefreiteste Text, den ich je geschrieben habe – und sehr wahrscheinlich das mit weitem Abstand meistgelesene Werk meiner 40jährigen Autorenlaufbahn. Denn der Text in der Speisekarte wurde über drei Jahrzehnte hinweg nicht verändert (lediglich die Preise, die allerdings ständig). Und die Hütte war &#8211; vor allem in den ersten Jahren &#8211; fast immer gerammelt voll.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Als ich vor vier, fünf Jahren das letzte Mal Charly’s Tiger besuchte, lag dort noch immer die Speisekarte mit Ollu Kawollu auf dem Tisch. Es wäre zwar nicht nützlich, aber schon interessant zu wissen, wie viele Menschen sich in einem Zeitraum von 30 Jahren beim Warten auf das bestellte Essen oder Getränk die Zeit mit der Speisekarte bzw. meinem König der Nasen vertrieben haben. Ob es über die lange Zeit hinweg mehr Menschen waren als Braunschweig Einwohner hat? Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir hier eher in der Kategorie München oder Hamburg denken müssen, vielleicht sogar in der Kategorie Guangzhou. Es dürfte zumindest keine Übertreibung sein, wenn ich behaupte, dass Ollu Kawollu heute als Klassiker der Lokalliteratur gilt, und weil der Text nach über drei Jahrzehnten schmackhaft zubereiteter Bratkartoffeln und Millionen frisch gezapfter Biere nun endlich nicht mehr Bestandteil der Speisekarte ist, dürften die Rechte daran wieder bei mir liegen. Ich will Euch das vermeintliche Kunstwerk daher nicht länger vorenthalten, sofern Ihr es nicht ohnehin schon etliche Male gelesen habt.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hier ist es:</div>
			</div><div class="et_pb_with_border et_pb_module et_pb_text et_pb_text_6  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p style="text-align: center;"><em>An EinfallsReich-Art Menue-Card-Production presents</em></p>
<h3 style="text-align: center;">Ein Tiger flog übers Affennest</h3>
<p style="text-align: center;">cast:<br />Ollu Kawollu &#8230;&#8230;.. Ollu Kawollu<br />Illi Kawilli &#8230;&#8230;.. Illi Kawilli<br />Gemeine Leierschnepfe &#8230;&#8230;.. Jack Nicholson</p>
<p>Das Tropentreffen der summatrischen Nasenaffen e.V. war ein rhinologischer Erfolg. Das zuvor fein mit Lianen verzierte Buffet war bis auf die letzte Aprikosenstulle verzehrt. Die Salat-Safari hatte ihren appetitlichen Weg durch unzählige Fruchtschalen gezogen und auch die selbst zubereitete, aber berüchtigte Baumhaus-Bowle hatte ihre Abnehmer gefunden. Ollu Kawollu, der König der Nasen (wie er im Dschungel-Jargon genannt wurde), machte ein Bäuerchen; das schlabbernde Geräusch seines Sinnesbeutels war fast bis Djarkarta zu hören. Erst in der letzten Regenzeit konnte er unter dem tobendem Applaus wackelnder Riechorgane den öffentlichen Teil der Wipfelkonferenz abschließen. Der vereinbarte Territorialvertrag mit der gemeinen Leierschnepfe – ein ungeliebter Nachbar der Nasenaffen – stand perfekt. Der Dschungel wurde in Baumsektoren aufgeteilt: Die Berührungsängste zwischen riechenden Punching-Bällen und leiernden Gezwitscher waren nunmehr unbegründet. Ein Problem war für Ollu Kawollu aber noch zu bewältigen – der Friedensvertrag mit dem monarchistisch gesinnten KönigsTigern musste abgeschlossen werden, für eine gesicherte Zukunft im Regenwald! Denn lange Zeit war das reißerische Reißen der getigerten Großkatzen den Affen ein Dorn in der Nase. Zu viele dieser Nasen nämlich fielen der skrupellosen Organplünderei zum Opfer; ein Geschäftstüch-Tiger verhökerte diese als Eierwärmer nach Hongkong oder als luxuriöse Fingerpelze für verwöhnte Millionärsfrauen in Amerika. Ollu Kawollu hatte oft mit seiner Nasenaffenfrau Illi Kawilli dieses brisante Thema beschnuppert, und der in seiner Vorrede geäußerte Vorschlag, sich zu Friedensverhandlungen in der Provinz bereit zu erklären, wurde jubelnd begrüßt. In einer offiziell anerkannten Tiger-Botschaft in Braunschweig sollten nun graumelierte Königsnasen und gelbgetigerte Großtatzen zusammenkommen. Was daraus wurde? Dazu mehr demnächst in dem Fortsetzungdrama »Nasablanca« mit Ingrid Tatzmann und Sumphrey Tigert – hier in Charly&#8217;s Tiger.</p></div>
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		<title>Zillertaler Zoten</title>
		<link>https://www.wortmax.net/zillertaler-zoten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Reichard]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Apr 2023 17:40:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wanderlust]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Schwendberg]]></category>
		<category><![CDATA[Zillertal]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner">Wandern ist eine ziemlich ernste Angelegenheit. Nach sieben Jahren gezielten Umherstreifens in Alpen und deutschen Mittelgebirgen weiß ich, wovon ich rede. Unvergessen und bis heute tief in meinem Schmerzgedächtnis verankert, wie ich nach halber Strecke auf dem Harzer Hexenstieg die Blase am kleinen Zeh meines linken Fußes dilettantisch verarztete und sich der Zehennagel danach durch das unfachmännisch verklebte Pflaster mit jedem gewanderten Meter weiter hinein in das höchst empfindliche Nagelbett bohrte, sodass ich bereits zwei Tage vor dem Erreichen der Zielgerade die weiße Fahne hissen musste. Nichts ging mehr, und das buchstäblich.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Unvergessen auch, wie meiner Frau, die einen rekordverdächtigen Flüssigkeitsverbrauch hat, auf dem gefürchteten Gottesackerplateau im Kleinwalsertal das Wasser ausging und wir bei  gefühlt 30 Grad Celsius noch den endlos erscheinenden Abstieg auf kantigem Karstgestein vor uns hatten. Ich sage nur: Die Hölle ist ein Paradies.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aber es kann auch lustig sein. Wie zum Beispiel im Sommer 2022, als wir bei unserer Alpenüberquerung 2.0, vom Achensee nach Sterzing, einen Zwischenstopp einlegten, um uns das Zillertal näher anzusehen. Wir entschieden uns, gemütlich zur Brindling-Alm hinauf zu laufen, wobei die ersten 200 Meter mit einer gefühlten Steigung von 80% alles andere als gemütlich waren. Bei einem Gehöft »unterhielten« wir uns lange mit einem alten Bauern, der – abgesehen von seinem Tiroler Dialekt – eine verblüffende Ähnlichkeit mit Michael Palin hatte. Ich bin ja ein großer Monty-Python-Fan, und so lauschte ich fasziniert dem Einheimischen, dachte an Erebus, Tänze mit toten Fischen und Holzfäller in Frauenkleidern, und wer weiß: Vielleicht hat er auch genau darüber gesprochen. Leider ist und bleibt Tirolerisch für mich eine schwer zu entschlüsselnde Sprache.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach dieser kuriosen Begegnung ging es – zumeist auf breiten Waldwegen – hinauf zur Brindling-Alm, wo die Resi (wer sonst?) mit Erfrischungsgetränken, Erbsensuppe und einem Strammen Max bereits auf uns wartete. Wir waren allein auf der Alm, man hörte lediglich das Löffeln und Schneiden im Zuge unserer Nahrungsaufnahme. Fernab jeder Zivilisation fühlten wir uns auch auf dem Weg nach unten. Keine anderen Wanderer weit und breit, keine lästigen Motorengeräusche, keine Kuhglocken. Zu hören waren einzig und allein das Rauschen der Bäume im Wind und der Flügelschlag des Schmetterlings – bis meine Frau die einschläfernde Stille durchbrach, mit dem Zitat des Tages: »Ganz schön ruhig hier … nur ich bin am Quatschen.«<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Am späten Nachmittag waren wir zurück auf dem Berghof, unsere Unterkunft für zwei Nächte. Wir belohnten uns für die Strapazen wie üblich mit einem kühlen Weizenbier. Als wir es bestellten, fielen uns die auf dem obigen Foto abgebildeten Barhocker auf … und wir hatten Fragen. Erst Recht, als kurze Zeit später vier schwergewichtige Männer mit Maurerdekolleté darauf Platz nahmen. Es wäre das bessere Motiv gewesen, keine Frage, aber wir wollen es uns mit dem Berghof nicht verscherzen. Es ist eine wunderbare Unterkunft, perfekte Lage, nette Atmosphäre, freundliches Personal, wärmstens zu empfehlen. Beleg dafür war nicht zuletzt eine große Grillparty am Abend, für die Freundinnen und Freunde des Berghofs, was uns aber nicht ausgrenzte. Klugerweise verzichtete ich jedoch darauf, an einem der hiesigen Partyrituale teilzunehmen, bei dem man einen Nagel mit der scharfen Finne eines Hammers mit möglichst wenig Schlägen in einen Holzstamm kloppen musste. Ich habe vom Balkon aus eine Weile zugeschaut. Die Regeln dieses Spiels erschlossen sich mir nicht so ganz. Denn nach jeder Runde musste nicht nur der Verlierer einen Schnaps trinken, sondern alle.</p>
<p><a href="https://www.wortmax.net/project/zillertal-pfitscherjoch-kematen/">Bilder von der Tour zu Brindling-Alm.</a></p></div>
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		<title>Die Unfallchronik der Menschheit</title>
		<link>https://www.wortmax.net/die-unfallchronik-der-menschheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Reichard]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2023 20:42:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[History]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Wilhelm Voigt]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz Rühmann]]></category>
		<category><![CDATA[Köpenick]]></category>
		<category><![CDATA[Talleyrand-Périgord]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfsburg]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner">Geschichte ist die Unfallchronik der Menschheit, soll der französische Staatsmann Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord einmal gesagt haben. Seit eines Samstags im April 2007, als ich auf einer Geburtstagsfeier in der Nähe von Wolfsburg war, weiß ich, dass man diese Weisheit nicht nur auf die großen historischen Ereignisse beziehen kann. Auch die eigene Vergangenheit bzw. Ahnengeschichte scheint reich an spektakulären Crashs.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Feier fand in jenem Ort statt, in dem einst mein leiblicher Vater das Licht der Welt erblickte. Er verstarb viel zu früh nach einem Motorradunfall im September 1968, weshalb ich zu diesem Ort schon lange keinen Bezug mehr habe und nur wenige der Party-Gäste kannte. Völlig unbekannt waren mir auch die zwei  Damen weit fortgeschrittenen Alters, die plötzlich warmherzig lächelnd auf mich zukamen, als ich noch unwissend an meinem Glas Bier nippte. Sie fragten mich, ob ich nicht ein Reichard sei, und ob ich denn nicht wüsste, dass mein Opa den Hauptmann von Köpenick kannte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;»Wie jetzt? Mein Opa kannte Heinz Rühmann?«, fragte ich erstaunt.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;»Nein, nein«, erwiderten die beiden Damen, rückten verschwörerisch an mich heran und begannen derart geheimnisvoll zu kichern, dass ich mich fühlte wie Cary Grant in »Arsen und Spitzenhäubchen«. »Ihr Opa kannte den echten Hauptmann«, sagten sie, »den Schuster Voigt.«<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kurzes genealogisches Rechnen. Wann war der berühmte Hochstapler nochmal unterwegs? In der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts? War mein Opa zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon auf der Welt? Ich wusste es nicht, aber wenn er bereits zu wilhelminischen Zeiten durch die Gegend stolperte, musste er noch ein Kleinkind gewesen sein. Was hatte mein Opa als Knirps im Matrosenanzug mit dem Schuster Voigt zu tun? Verwirrung. Nach einer Weile kamen wir darauf, dass wir nicht von meinem Großvater sprachen, sondern von meinem Urgroßvater, von Otto Winkelmann, dem Vater meiner Oma väterlicherseits.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;»Genau, diesen Otto, den meinen wir«, bestätigten die Damen &#8230; und kicherten.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;»Und was genau hatte Otto Winkelmann jetzt mit dem Hauptmann von Köpenick zu tun?«, erkundigte ich mich.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;»Na, er war damals dabei, als der Voigt die Soldaten täuschte und mit ihnen das Rathaus von Köpenick überfiel«, bekam ich als Antwort. »Und als die Geschichte später in den 50ern mit Heinz Rühmann verfilmt und der Film dann zum ersten Mal in Wolfsburg gezeigt wurde, war Otto Winkelmann als Ehrengast eingeladen. Das stand damals in der Zeitung. Daher wissen wir das.«<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach dieser überwältigenden Mitteilung gingen die betagten Damen weiter an den nächsten Tisch. Kichernd natürlich. Und ich saß da, ganz allein, eingeschüchtert und gelähmt vom Wissen um die historischen Verstrickungen meines Urgroßvaters. Nur gut, dass er nicht der Frisör von Heinrich Himmler war, dachte ich zuerst. Doch auch wenn er tatsächlich nur einer der Wachsoldaten gewesen war, die sich in der »Köpenickiade« dem falschen Hautpmann angeschlossen hatten, kann sein Auftritt als blinder Befehlsempfänger ja nicht gerade als heldenhaft bezeichnet werden.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Immerhin, 50 Jahre später kam er dafür einmal umsonst ins Kino. </div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_7 et_pb_divider_position_ et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div>
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		<title>Grenzgänger</title>
		<link>https://www.wortmax.net/grenzgaenger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Reichard]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2023 15:58:49 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Brome]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner">Als kleiner Junge besuchte ich mit meinen Eltern oft diese Aussichtsplattform zwischen Brome und Wittingen, um unsere Verwandten in der DDR sehen zu können, die direkt an der Grenze wohnten, im sogenannten Sperrgebiet. Mit dem Auf- und Zuziehen ihrer Gardinen gaben sie uns zu verstehen, dass sie uns auf der Plattform entdeckt hatten. Ein Winken war zu riskant.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ihren Blick aus dem Osten Deutschlands teilen zu können, war mir erst im Januar 1990 möglich, als das Sperrgebiet für Westdeutsche zugänglich wurde. Damals machte ich dort dieses Foto. Es zeigt die Plattform, auf der ich als kleiner Junge stand – und weder verstand noch hinterfragte, warum wir nicht einfach zu unseren Verwandten fuhren. Ich war mit der Grenze aufgewachsen und nahm sie als selbstverständlich hin.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;So richtig bewusst wurde mir dieser Irrsinn eigentlich erst, als ich im Januar 1990 von Osten auf diese Plattform schaute. Neben mir stand ein Mann, der aus Hamburg angereist war und ähnliche Kindheitserinnerungen hatte. Wir redeten nicht viel miteinander, sondern starrten nur mit feuchten Augen auf diese bekloppte Aussichtsplattform.</div>
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