Kunst in Zeiten der Unvernunft
29. Januar 2026
»make the secrets productive!« lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Kölner Kunstmuseum Kolumba (noch bis zum 14. August 2026). Der Untertitel »Kunst in Zeiten der Unvernunft« trifft die allgemeine Gemütslage allerdings deutlich besser, finde ich – und ist deshalb zum Titel dieser kleinen Galerie geworden. Die Ausstellung zeigt Altmeisterliches und zeitgenössische Kunst in bunter Mischung. In 21 Räumen begegnen sich mittelalterliche Skulpturen, moderne Arbeiten von Künstlern wie Beuys, Bell und Bödeker sowie technische Alltagsfossilien, darunter eine Musiktruhe, ein Volksempfänger oder ein orangener Lockenstab für die kunstvoll geföhnte Außenwelle in den Siebzigern. Dabei sollen die Schmerzpunkte unserer Gegenwart vermittelt werden – Krisen, Glaube, Zweifel, Utopien. Der eigentliche Star im Kolumba ist jedoch das Kolumba selbst – mit den eingebetteten Ruinen, den hohen Räumen und ihren imposanten, blanken Wänden. Die ausgestellten Werke kommen darin faszinierend zur Geltung. Außerdem ist eine Ausgrabungsstätte mit freigelegtem Mauerwerk zu bestaunen. Angerührt wurde der Mörtel dort nicht nur im Mittelalter, sondern – in den unteren Lagen – auch in der Spätantike, als das Ortsschild noch groß genug sein musste, um dort Colonia Claudia Ara Agrippinensium unterzubringen.