Es gibt Geburtstage, die ich so richtig hasse. Zunächst einmal meine eigenen. Aber die sollen uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren. 2017 ist das Jahr, in dem »Star Wars« 40. Geburtstag feiert. Am 25. Mai, genauer gesagt. In Deutschland dauert es etwas länger, vielleicht weil man nach einigen unschönen Erfahrungen Kriegen gegenüber etwas kritisch eingestellt war. Jedenfalls mussten teutonische Teenager bis zum 9. Februar des Folgejahres auf Luke Skywalker warten – schon allein aus wirtschaftlichen Gründen eine höchst kuriose Entscheidung. Doch von einer Zeit, in der sich Männer in enge Polyesterhemden zwängten, die bis zum Bauchnabel geöffnet waren, darf man keine Logik erwarten.

Das Jahr 2016 war nicht weniger deprimierend: Am 25. September feierte Herr Skywalker alias Mark Hamill nämlich seinen 65. Geburtstag! Damit ist er älter als Obi Wan Kenobi, dessen Darsteller Alec Guinness 1977 lächerliche 62 Lenze zählte.

Wo sind sie hin, die letzten 40 Jahre? Meinen Eltern erging es 1977 ebenso. Damals gab es in den dritten Programmen eine Sendung, in der jeden Samstag 40 Jahre alte Wochenschauen aus aller Welt gezeigt wurden. Der Titel der Reihe lautete (man ahnt es bereits): »Vor 40 Jahren«. Sicher kein besonders origineller Titel, doch damals waren Redakteure so sehr damit beschäftigt, nicht über ihre Schlaghosen zu stolpern, dass sie dafür einfach keine Kapazitäten besaßen.

1937 war ein ereignisreiches Jahr: Im Januar betrat Ingrid Christensen als erste Frau die Antarktis. Im April fand im Spanischen Bürgerkrieg der Luftangriff auf Guernica statt, der im selben Jahr von Picassos gleichnamigen Meisterwerk verewigt wurde. Im Mai wurde der Vater der Queen, Georg VI., zum König von England gekrönt. Im Juni feierte die »Carmina Burana« von Carl Orff ihre Uraufführung. Im Juli löste ein Zwischenfall an der Marco Polo-Brücke in Peking den zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg aus. Im September wurde das Buch »Der Hobbit« von J. R. R. Tolkien veröffentlicht. Und zu guter Letzt feierte im Dezember, kurz vor Weihnachten, »Schneewittchen und die sieben Zwerge«, der erste abendfüllende Zeichentrickfilm von Walt Disney, seine Premiere.

All das konnte man damals an jeden Samstag in grobkörnigen Schwarzweiss erleben. Die monochromen Bilder unterstrichen die zeitliche Distanz noch. Wie anders war da die vollfarbige Gegenwart. 1977 ist ein Jahr, an das ich mich heute nur noch bruchstückhaft erinnern kann:

Im Januar wurde Jimmy Carter der 39. Präsident der USA. Im April ermorden Terroristen der RAF den Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Im Mai kamen bei der größten 1. Mai-Demo in der Geschichte der Türkei 37 Menschen gewaltsam ums Leben. Im Juni wurde Menachem Begin Ministerpräsident des Staates Israel. Im Oktober ermordete die RAF den entführten deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Im September starb der südafrikanische Bürgerrechtler Steve Biko nach Folterungen der Polizei im Gefängniskrankenhaus von Pretoria. Sein Tod wurde zum Symbol der Widerstandsbewegung gegen das Apartheidsregime. Im Oktober befreite die GSG9 in Mogadischu ein von Terroristen entführtes Flugzeug. Woraufhin die inhaftierten Anführer der RAF Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Gefängniszellen Selbstmord begingen. Oder war es Mord? Diese Frage spaltete damals die Nation.

Für diejenigen, die damals lebten, sieht das Jahr 1977 heute gar nicht so weit weg aus. Jedoch: Sollte man wieder anfangen in den dritten Programmen alte Wochenschauen aus den 30ern zu zeigen, würde die Sendung wohl »Vor 80 Jahren« heißen – denn die heutigen Redakteure sind so sehr mit Social Media beschäftigt, dass sie für gute Titel einfach keine Kapazitäten haben.

Diese schlichte Erkenntnis und die Erkenntnis, dass ich inzwischen älter bin als mein Vater im Jahre 1977 (und in nicht allzu ferner Zukunft ein ebenso alter Zausel sein werde wie Obi Wan Kenobi) haut mich einfach um. Also, Happy Birthday, Luke Skywalker! Happy Birthday, Stars von Star Wars! Möge die Pflegeversicherung mit Euch sein!

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